Unser 1. Vorsitzender und Schachfreund Dieter Senff ist am 22.01.2021. plötzlich mit 82 Jahren im Krankenhaus verstorben. Der Tod traf uns alle sehr.

Hatte ich ein paar Tage zuvor noch mit ihm gesprochen und wartete auf eine Nachricht von ihm, war ich doch sehr schockiert, als seine Tochter mir die Nachricht zukommen ließ, dass Dieter von uns gegangen war.

Mit seinen 82 Jahren war Dieter nun nicht mehr der Jüngste, aber mit unermüdlichem Einsatz leitete er unseren Schachverein bis zum letzten Tag!

Gerade was die Jugendarbeit bei uns im Verein anging, konnte keiner ihm - weder mit der Zeit noch mit dem Wissen über Endspiele – das Wasser reichen.

Die letzten Monate waren für uns alle coronabedingt sehr schwer. Kaum Training, noch weniger Vereinsabende und Turniere haben uns alle seit März vergangenen Jahres schwere Momente des Entbehrens abverlangt.

Gerade für Dieter, der sich immer voller Leidenschaft um das Jugendtraining freitags kümmerte, brach hier ein Stück seines Lebenswerkes weg, ein wichtiges Stück, das ihn mit seinen 82 Jahren jung und fit bleiben ließ. Und dennoch, selbst in dieser Zeit fand er den ein oder anderen Termin für unsere Jugendlichen, an denen er sich mit dem ein oder anderen traf, um sein Wissen weiter zu geben! Dafür bewundere ich ihn sehr.

Zusätzlich noch die Arbeit des ersten Vorsitzenden, ja eigentlich machte er den Großteil der Arbeit im Verein immer selbst. Er ließ sich nicht viel aus der Hand nehmen, was ihm zum Einen hoch anzurechnen ist, zum Anderen werden wir jetzt so plötzlich ohne ihn mächtig auf die Probe gestellt.

Tja; Dieter Senff: Schachspieler und Trainer aus Leidenschaft ! Ein Mann, dessen Leben ziemlich von Anfang an von Schach bestimmt wurde, ist von uns gegangen!

Am 04.01.1939 in Bochum geboren, kam er schon in jungen Jahren mit Schach in Kontakt. Es war im Krankenhaus, in dem er als Junge einmal zu den „älteren“ Herren gelegt wurde. In diesem Zimmer wurde auch Schach gespielt. Dieter sah den Herren zu und merkte wohl sehr schnell, dass dies sein Spiel werden würde.

Wie vieles in seinem Leben brachte er sich das Meiste im Schach selbst bei, indem er las und studierte, Partien nachspielte und Schachaufgaben löste. Dieser Fleiß wurde auch schnell belohnt! Vor ein paar Tagen hatte ich noch eine Urkunde in der Hand, welche ihn 1954 im Bochumer Verein als Meister auszeichnete.

Auch als er mit 18 Jahren zur Bundeswehr ging, konnte er das Schach spielen nicht sein lassen. Er war in Vereinen in Hürth und Kerpen, auf dessen Vereinsabenden er regelmäßig, so gut es eben seine Arbeit zuließ, vorbei guckte und bis in die Oberliga aufstieg.

Auf der Abendschule lernte er seine zukünftige Frau Herta kennen und bekam mit ihr drei Kinder. Sie spielte zwar nie selbst Schach, unterstützte aber fünf Jahrzehnte lang seine schachlichen Aktivitäten.

Als 1975 die Familie dann ins Sauerland in die Nähe von Meschede zog, war einer seiner ersten Schritte, die Schachvereine in der Nähe zu erkunden. Dieter „tingelte“ zwischen dem Esloher Schachverein und dem Mescheder Schachverein hin und her und studierte fleißig weiter die Kunst des Schachspielens, wobei ich mich bei seinen vielen Trainingsstunden sehr wohl daran erinnern kann, dass die alten Schachmeister für ihn immer eine herausragende Rolle spielten. Er liebte Partien von Capablanca und Steinitz! Überhaupt spielte er sehr gerne Gambits und scharfe Varianten! Dieses Wissen teilte er gerade mit seinen „kleinen“ Schülern.

Die Leidenschaft für das königliche Spiel versuchte Dieter auch seinen drei Kindern Birgit, Kirsten und Martin näher zu bringen und übertrug sie vor allem auf seinen Sohn Martin, dessen Schachkarriere er mit viel Einsatz förderte.

Gleichzeitig übernahm Dieter auch den Vorsitz des Schachvereins Meschede und das Training der dortigen Schachjugend. Zusätzlich noch zu dieser Arbeit ließ er es sich natürlich nicht nehmen, selbst in der ersten Mannschaft des SV Meschede zu spielen und das sogar sehr erfolgreich.

Er bereitete sich auf jedes seiner Spiele vor, er studierte seine Gegner so gut er konnte und holte so den ein oder anderen wichtigen Punkt für seine Mannschaft. 

Immer wenn er selbst nicht spielte, war er wegen seiner Leidenschaft, dem Schach, unterwegs. Ob es Vorstandssitzungen waren oder Turniere seiner Jugendlichen, irgendwie war er überall anwesend und versuchte mit seinem Wissen zu verbessern und zu unterstützen, egal, ob das jetzt Vereinsarbeit war oder die Jugendarbeit.

Wenn er sich etwas in den Kopf setzte, dann war er schwer- eigentlich gar nicht - davon abzubringen!

Er hat Dinge erreicht, hat Ziele durchgesetzt, die man nur durchsetzen kann, wenn man hartnäckig bleibt.

Wenn man die unzähligen Stunden, welche Dieter in den Schachsport gesteckt hat, zusammen zählen würde; ich denke es würden schon ein paar Jahre heraus kommen. Jahre, die er nicht nur in sich und seine Familie gesteckt hat sondern auch in die Vereine, die er im Laufe seines Lebens besuchte. Wissen, das er teilte mit uns, Zeit, die er investierte in den Schachsport, für die wir ihm heute danken wollen. Diese Zeit soll nicht sinnlos gewesen sein. Gerade was uns im Schachverein Meschede angeht, wollen wir versuchen, sein Erbe aufrecht zu erhalten und weiter zu führen. Auch wenn jeder weiß, dass ihn keiner ersetzen kann!

Vielen Dank für deine Zeit und deine Arbeit Dieter !

Ruhe in Frieden!

 

Karola Hörhold

Schachverein Meschede